Vorsorgelücke berechnen: Wie gross ist deine Rentenlücke wirklich?
Vorsorgelücke berechnen in 4 Schritten: Wie du deine Rentenlücke aus AHV und Pensionskasse ermittelst – mit Beispiel, Zielwert 80 % und Lösungen für 2026.
Die meisten Schweizerinnen und Schweizer gehen davon aus, dass AHV und Pensionskasse im Alter schon reichen werden. Die Realität sieht anders aus: Zusammen decken die ersten beiden Säulen oft nur 50 bis 60 Prozent des letzten Lohns – gebraucht werden aber rund 80 Prozent, um den Lebensstandard zu halten. Die Differenz ist deine Vorsorgelücke. Wer seine Vorsorgelücke berechnen will, braucht dafür keinen teuren Berater, sondern vier Zahlen und zehn Minuten Zeit. Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch die Rechnung – mit einem konkreten Beispiel – und zeigt, wie du die Lücke gezielt schliesst.
Was ist die Vorsorgelücke überhaupt?
Die Vorsorgelücke (auch Renten- oder Pensionierungslücke) ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das du im Ruhestand zum Leben brauchst, und dem, was AHV und Pensionskasse dir tatsächlich auszahlen.
Das Schweizer Vorsorgesystem ruht auf drei Säulen:
- 1. Säule (AHV): die staatliche Grundsicherung – sie soll den Existenzbedarf decken.
- 2. Säule (BVG/Pensionskasse): die berufliche Vorsorge – sie soll zusammen mit der AHV den gewohnten Lebensstandard sichern.
- 3. Säule (private Vorsorge): Säule 3a und 3b – sie soll die Lücke schliessen, die die ersten beiden Säulen lassen.
Warum die Lücke meist grösser ist als gedacht
Mehrere Effekte vergrössern die Rentenlücke, ohne dass man es im Alltag merkt:
- Sinkende Umwandlungssätze: Der BVG-Mindestumwandlungssatz liegt 2026 bei 6,8 Prozent. Aus CHF 100’000 Altersguthaben werden also CHF 6’800 Jahresrente. Im überobligatorischen Bereich wenden viele Kassen tiefere Sätze an – die effektive Rente fällt entsprechend geringer aus.
- Der Koordinationsabzug: Vom Lohn werden 2026 CHF 26’460 abgezogen, bevor die Pensionskasse überhaupt rechnet. Wer wenig verdient, Teilzeit arbeitet oder mehrere kleine Pensen hat, baut dadurch kaum Guthaben auf.
- Beitragslücken in der AHV: Schon ein einziges fehlendes Beitragsjahr kürzt die AHV-Rente um rund 2,3 Prozent. Auslandaufenthalte, Studium oder Erwerbsunterbrüche schlagen direkt durch.
- Frühpensionierung: Wer früher aufhört, bekommt nicht nur weniger lang Lohn, sondern auch eine lebenslang gekürzte AHV (Vorbezug max. 2 Jahre, Kürzung rund 6,8 Prozent pro Jahr) und ein kleineres PK-Guthaben.
Vorsorgelücke berechnen: Die 4 Schritte
So gehst du vor, um deine persönliche Vorsorgelücke zu berechnen:
Schritt 1: Deinen Zielbedarf bestimmen
Multipliziere dein heutiges Bruttojahreseinkommen mit 80 Prozent. Das ist der Betrag, den du im Alter pro Jahr brauchst, um den Lebensstandard zu halten.
Zielbedarf = Bruttojahreslohn × 0,80
Wer im Alter schuldenfrei wohnt oder bewusst kürzertreten will, kommt auch mit 70 Prozent aus. Wer Reisen, Hobbys und Unterstützung der Familie plant, sollte eher mit 85 Prozent rechnen.
Schritt 2: Deine AHV-Rente schätzen
Die maximale AHV-Altersrente beträgt 2026 CHF 2’520 pro Monat (CHF 30’240 im Jahr), die Minimalrente CHF 1’260 – vorausgesetzt, du hast lückenlos 44 Jahre einbezahlt. Verheiratete und eingetragene Partnerschaften erhalten zusammen höchstens den Ehepaar-Plafond von CHF 3’780 pro Monat. Seit 2026 gibt es zusätzlich die 13. AHV-Rente, also eine volle Monatsrente extra pro Jahr.
Deine voraussichtliche Rente steht im persönlichen Auszug deiner Ausgleichskasse. Eine schnelle Schätzung liefert dir unser AHV-Rente-Rechner.
Schritt 3: Deine Pensionskassen-Rente ermitteln
Den entscheidenden Wert findest du auf deinem Pensionskassenausweis: das voraussichtliche Altersguthaben bei Pensionierung und die daraus errechnete Jahresrente. Falls nur das Guthaben angegeben ist, multiplizierst du es mit dem Umwandlungssatz (mindestens 6,8 Prozent im Obligatorium):
PK-Jahresrente = Altersguthaben × Umwandlungssatz
Bei einem prognostizierten Guthaben von CHF 500’000 ergibt das rund CHF 34’000 Jahresrente.
Schritt 4: Die Lücke ausrechnen
Jetzt ziehst du AHV und PK von deinem Zielbedarf ab:
Vorsorgelücke = Zielbedarf − (AHV-Jahresrente + PK-Jahresrente)
Bleibt eine positive Zahl, ist das deine jährliche Lücke. Mal die Anzahl Rentenjahre (statistisch rund 20 bis 25) ergibt das den Kapitalbedarf – und zeigt schnell, warum frühes Handeln so viel ausmacht. Wer es bequem und in einem Rutsch rechnen will, nutzt unseren Vorsorgelücken-Rechner.
Rechenbeispiel: Vorsorgelücke einer 45-jährigen Angestellten
Nehmen wir Sandra, 45, Marketingfachfrau mit einem Bruttojahreslohn von CHF 90’000:
| Position | Betrag pro Jahr |
|---|---|
| Zielbedarf (80 % von CHF 90’000) | CHF 72’000 |
| AHV-Rente (nahe Maximum, lückenlos) | CHF 29’000 |
| PK-Rente (Guthaben ~CHF 480’000 × 6,8 %) | CHF 32’640 |
| Gedeckt durch Säule 1 + 2 | CHF 61’640 |
| Vorsorgelücke | CHF 10’360 |
So schliesst du deine Vorsorgelücke
Ist die Lücke beziffert, geht es ans Schliessen. Drei Hebel sind besonders wirksam:
1. Säule 3a konsequent ausschöpfen
Die Säule 3a ist der naheliegendste und steuerlich attraktivste Weg. Du kannst die Einzahlungen vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehen. Die Maximalbeträge 2026:
- Mit Pensionskasse: CHF 7’258 pro Jahr.
- Ohne Pensionskasse (z. B. Selbstständige): 20 % des Nettoeinkommens, maximal CHF 36’288.
2. Pensionskassen-Einkauf prüfen
Hast du Beitragslücken in der 2. Säule (etwa wegen Lohnerhöhungen, Teilzeit oder Auslandjahren), kannst du dich freiwillig einkaufen. Der Einkaufsbetrag ist voll vom steuerbaren Einkommen abziehbar – das macht den PK-Einkauf besonders in einkommensstarken Jahren kurz vor der Pensionierung interessant. Wie viel Einkaufspotenzial du hast, steht auf dem Pensionskassenausweis. Achtung: Nach einem Einkauf gilt eine dreijährige Sperrfrist für den Kapitalbezug.
3. Frei investieren mit ETF
Hast du die Säule 3a ausgereizt oder willst flexibler bleiben, führt der Weg zum freien Wertschriftensparen – meist über kostengünstige ETF. Hier gibt es keine Einzahlungslimite und keine Bezugssperre, dafür auch keinen Steuerabzug bei der Einzahlung. Über lange Zeiträume gleicht die höhere erwartete Rendite breit gestreuter Aktienportfolios diesen Nachteil oft mehr als aus. Welcher Weg für dich besser passt, vergleichst du im Detail in unserem Säule 3a vs. ETF Vergleich.
Warum das Zinsumfeld 2026 eine Rolle spielt
Die Schweizerische Nationalbank hat den Leitzins an ihrer Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026 unverändert bei 0,00 Prozent belassen. Für die Vorsorge heisst das: Sparkonten und klassische 3a-Zinskonten werfen kaum etwas ab. Wer seine Vorsorgelücke nur mit Bargeld auf dem Sparkonto schliessen will, kämpft gegen die Teuerung – die Inflation lag im Mai bei rund 0,6 Prozent. Reale Werterhaltung gelingt langfristig vor allem über Wertschriften (3a-Fondslösungen oder ETF). Aktuelle Zinsentscheide findest du direkt bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB).
Häufige Fehler beim Berechnen
- Nur an die AHV denken: Die AHV allein liegt selbst im Maximum bei rund 30’000 Franken im Jahr – das deckt bei den wenigsten den Bedarf.
- Den Pensionskassenausweis ignorieren: Er ist das wichtigste Dokument für deine Berechnung. Lies ihn einmal pro Jahr.
- Die Teuerung vergessen: Was heute CHF 72’000 wert ist, kostet in 20 Jahren mehr. Plane einen Puffer ein.
- Zu spät anfangen: Jedes Jahr früher senkt den nötigen Sparbetrag spürbar – dank Zinseszins.
Fazit
Deine Vorsorgelücke zu berechnen ist keine Hexerei: Zielbedarf (80 % des Lohns) minus AHV minus Pensionskasse – fertig. Entscheidend ist, dass du es überhaupt tust, statt auf das Prinzip Hoffnung zu setzen. Die ersten beiden Säulen decken bei vielen nur 50 bis 60 Prozent des letzten Lohns. Die gute Nachricht: Mit Säule 3a, allfälligem PK-Einkauf und freiem ETF-Sparen lässt sich die Lücke planbar schliessen – je früher du anfängst, desto weniger musst du monatlich zurücklegen. Verschaffe dir mit dem Vorsorgelücken-Rechner in wenigen Minuten Klarheit über deine Zahlen.
Weitere offizielle Informationen liefern das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) und das Informationsportal ahv-iv.ch.
Stand: 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Finanz- oder Steuerberatung.
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Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Finanz- oder Anlageberatung.