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Sparen27. Juni 20269 Min. Lesezeit· Von der CashKompass Redaktion

Budget erstellen: Die 50/30/20-Regel für die Schweiz

Budget 50 30 20 einfach erklärt: So teilst du deinen Schweizer Nettolohn in Fixkosten, Wünsche und Sparen – mit Beispiel-Budget bei CHF 6'000.

Budget erstellen: Die 50/30/20-Regel für die Schweiz
Budget erstellen: Die 50/30/20-Regel für die Schweiz

Am Monatsende ist das Konto leer – und du weisst nicht genau, wohin das Geld geflossen ist? Damit bist du nicht allein. Ein Budget bringt Ordnung in die Sache, ohne dass du jeden Kassenzettel abheften musst. Die bekannteste Faustregel dafür ist das Budget 50 30 20: 50 Prozent des Nettolohns für Fixkosten, 30 Prozent für Wünsche, 20 Prozent fürs Sparen. Klingt einfach – ist es auch. Aber die Originalregel stammt aus den USA, und die Schweizer Lebenshaltungskosten ticken anders. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die 50/30/20-Regel realistisch auf einen Schweizer Haushalt überträgst, mit einem konkreten Beispiel-Budget bei CHF 6'000 Nettolohn und Tipps, wie du das Sparen automatisierst.

Was die 50/30/20-Regel bedeutet

Die Regel teilt dein Nettoeinkommen – also das, was nach den Lohnabzügen tatsächlich auf dem Konto landet – in drei Töpfe:

  • 50 % Fixkosten (Bedürfnisse): Alles, was du zwingend zum Leben brauchst und was monatlich anfällt – Miete, Krankenkasse, Strom, Grundnahrungsmittel, ÖV-Abo.
  • 30 % Wünsche (Lifestyle): Alles, was das Leben schöner macht, aber verzichtbar wäre – Restaurantbesuche, Hobbys, Streaming, Ferien, Kleider über das Nötige hinaus.
  • 20 % Sparen und Schulden tilgen: Notgroschen, Säule 3a, ETF-Sparplan, Rückzahlung von Krediten.
Der grosse Vorteil: Du musst nicht jeden Franken einzeln tracken. Du prüfst nur, ob die drei grossen Töpfe ungefähr stimmen. Das macht die Methode alltagstauglich – gerade für alle, die mit detaillierten Excel-Tabellen schon nach zwei Wochen aufgeben.

Wichtig ist die Basis: Rechne mit dem Netto, nicht mit dem Brutto. In der Schweiz gehen je nach Situation rund 12 bis 18 Prozent für AHV, ALV, Pensionskasse und Unfallversicherung weg, bevor du überhaupt etwas siehst. Wenn du deinen Nettolohn nicht genau kennst, rechne ihn zuerst mit unserem Brutto-Netto-Rechner aus.

Warum die Regel für die Schweiz angepasst werden muss

Die 50/30/20-Regel wurde von der US-Senatorin Elizabeth Warren populär gemacht – für amerikanische Verhältnisse. In der Schweiz stimmt die 50-Prozent-Grenze für Fixkosten in vielen Fällen nicht mehr, vor allem nicht in teuren Regionen wie Zürich oder Genf.

Zwei Posten sprengen den Rahmen schnell:

  • Miete: In Schweizer Grossstädten verschlingt die Wohnung oft 30 bis 40 Prozent des Nettolohns allein. Als Faustregel gilt zwar, dass die Miete maximal ein Drittel des Einkommens betragen sollte – wer das in Zürich findet, hat Glück.
  • Krankenkasse: Die Grundversicherung ist obligatorisch und in keinem anderen Land in dieser Form ein fixer Brocken. Eine Einzelperson zahlt schnell CHF 350 bis 450 pro Monat, eine Familie ein Vielfaches.
Deshalb ist die 50/30/20-Regel für die Schweiz eher ein Zielwert als ein Naturgesetz. Wer in einer Hochpreisregion lebt, landet realistisch eher bei 55/25/20 oder sogar 60/20/20. Entscheidend ist: Die 20 Prozent fürs Sparen solltest du so lange wie möglich verteidigen – sie sind dein Fundament für Vorsorge und Vermögensaufbau.

Was gehört in welchen Topf?

Die häufigste Stolperfalle: Was ist ein Bedürfnis, was ein Wunsch? Hier eine Orientierung für den Schweizer Alltag.

50 % – Fixkosten und Bedürfnisse

  • Miete oder Hypothekarzins inkl. Nebenkosten
  • Krankenkassen-Grundversicherung (Prämie und Selbstbehalt)
  • Strom, Wasser, Heizung
  • Grundnahrungsmittel (der wöchentliche Einkauf, nicht das Apéro)
  • ÖV-Abo oder Auto-Grundkosten für den Arbeitsweg
  • Telefon und Internet (Basistarif)
  • Obligatorische Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat)

30 % – Wünsche und Lifestyle

  • Restaurants, Bars, Take-away
  • Streaming, Abos, Games
  • Hobbys, Sport, Fitnessabo
  • Ferien und Wochenendtrips
  • Kleider und Schuhe über den Grundbedarf hinaus
  • Das schnellere Handy, das teurere Auto

20 % – Sparen und Vorsorge

  • Notgroschen: drei bis sechs Monatslöhne auf einem separaten Konto
  • Säule 3a: 2026 kannst du mit Pensionskasse bis CHF 7'258 einzahlen und voll vom steuerbaren Einkommen abziehen
  • ETF-Sparplan: langfristiger Vermögensaufbau über einen breit gestreuten Welt-ETF
  • Schuldenabbau: Konsumkredite und Kreditkartensaldo zuerst tilgen – sie kosten 2026 bis zu 10 Prozent effektiv und fressen jede Rendite auf
Eine kleine Faustregel zur Einordnung: Würdest du den Posten auch dann zahlen, wenn dein Lohn um 20 Prozent sinkt? Wenn ja, ist es meist ein Bedürfnis. Wenn du ihn streichen könntest, ohne dass die Wohnung kalt wird, ist es ein Wunsch.

Beispiel-Budget: CHF 6'000 Nettolohn

Nehmen wir eine alleinstehende Person in einer mittelgrossen Schweizer Stadt mit einem Nettolohn von CHF 6'000. So sähe ein nach 50/30/20 aufgeteiltes Budget aus:

KategorieAnteilBetragBeispiel-Posten
Fixkosten50 %CHF 3'000Miete 1'600, Krankenkasse 400, Strom/Nebenkosten 150, Einkauf 500, ÖV-Abo 90, Telefon/Internet 90, Versicherungen 170
Wünsche30 %CHF 1'800Auswärts essen 400, Ferien-Rückstellung 400, Hobbys/Sport 250, Streaming/Abos 50, Kleider 200, Sonstiges 500
Sparen20 %CHF 1'200Säule 3a 605, ETF-Sparplan 400, Notgroschen 195
Total100 %CHF 6'000
Das ist eine Modellrechnung – deine reale Aufteilung hängt stark von Miete und Wohnort ab. In Zürich kann die Miete für eine 2,5-Zimmer-Wohnung leicht CHF 2'000 und mehr betragen. Dann verschiebt sich die 50-Prozent-Grenze, und du musst beim 30-Prozent-Topf kürzen, um die 20 Prozent Sparquote zu halten.

Auffällig im Beispiel: Mit CHF 605 pro Monat in die Säule 3a kommst du auf CHF 7'260 im Jahr – also fast exakt das Maximum von CHF 7'258, das 2026 mit Pensionskasse erlaubt ist. Diese Einzahlung senkt gleichzeitig deine Steuerrechnung. Wer es genauer plant, kann die gestaffelte Säule 3a und ihren Steuereffekt nachlesen.

So setzt du dein Budget in der Praxis um

Schritt 1: Einnahmen und Ausgaben erfassen

Schau dir drei Monate Kontoauszüge an und sortiere jede Ausgabe einem der drei Töpfe zu. So siehst du, wo du heute wirklich stehst – meist ist der Wünsche-Topf grösser als gedacht. Wer es ohne Excel mag, nutzt unseren Budget-Rechner, der die Aufteilung automatisch berechnet.

Schritt 2: Die Sparquote automatisieren

Der wichtigste Trick beim Budgetieren heisst «pay yourself first»: Sobald der Lohn kommt, überweist du den Sparbetrag automatisch weg – per Dauerauftrag am Lohntag. Was du nicht siehst, gibst du nicht aus.

Konkret:

  • Dauerauftrag Säule 3a: monatlich statt einmal im Dezember – so glättest du den Einkaufswert und vergisst es nie.
  • Dauerauftrag ETF-Sparplan: viele Banken und Neobanken bieten automatische Sparpläne an. Ein Welt-ETF kostet rund 0,12 bis 0,22 Prozent pro Jahr und liefert langfristig im Schnitt etwa 6 Prozent nominale Aktienrendite.
  • Separates Notgroschen-Konto: Halte den Notgroschen getrennt vom Alltagskonto, damit er nicht «aus Versehen» mitverbraucht wird.

Schritt 3: Drei-Konten-Modell

Bewährt hat sich eine einfache Aufteilung auf mehrere Konten:

  1. Lohnkonto für alle Fixkosten (50 %)
  2. Alltagskonto / Debitkarte für die Wünsche (30 %)
  3. Sparkonten für Notgroschen, Säule 3a und ETF (20 %)
So musst du nicht ständig rechnen: Ist das Wünsche-Konto leer, ist der Monat in dieser Kategorie gelaufen. Diese physische Trennung wirkt stärker als jede gute Vorsatzliste.

Schritt 4: Einmal pro Quartal prüfen

Ein Budget ist kein Korsett. Prüfe alle drei Monate, ob die Aufteilung noch passt – etwa nach einer Mietzinserhöhung, einer neuen Krankenkassenprämie oder einer Lohnanpassung. Die Krankenkasse kannst du jährlich per 30. November kündigen; ein Wechsel oder eine höhere Franchise senkt den Fixkosten-Topf spürbar.

Häufige Fehler beim Budgetieren

  • Mit dem Brutto rechnen: Immer mit dem Nettolohn arbeiten, sonst stimmt die ganze Aufteilung nicht.
  • Unregelmässige Kosten vergessen: Steuern, Zahnarzt, Selbstbehalt der Krankenkasse (max. CHF 700 pro Jahr für Erwachsene über der Franchise) und Versicherungsjahresrechnungen fallen nicht monatlich an. Bilde dafür eine Rückstellung im Fixkosten- oder Sparbereich.
  • Steuern unterschätzen: In den meisten Kantonen zahlst du die Einkommenssteuer separat über die Steuererklärung. Lege dafür monatlich Geld zur Seite, sonst trifft dich die Rechnung hart.
  • Sparquote zuerst kürzen: Wenn es eng wird, ist die Versuchung gross, beim Sparen zu streichen. Besser zuerst beim Wünsche-Topf ansetzen.
  • Zu streng sein: Ein Budget ohne jeden Spielraum hält niemand durch. Die 30 Prozent für Wünsche sind kein Luxus, sondern der Grund, warum du dranbleibst.

Fazit: Eine Faustregel, die sich an dich anpasst

Das Budget 50 30 20 ist kein starres Gesetz, sondern ein einfacher Startpunkt, um Struktur in deine Finanzen zu bringen. In der teuren Schweiz wird der Fixkosten-Topf oft grösser als 50 Prozent ausfallen – das ist in Ordnung, solange du die 20 Prozent Sparquote so lange wie möglich hältst. Wer den Sparbetrag automatisiert und in Säule 3a, Notgroschen und einen breit gestreuten ETF lenkt, baut über die Jahre fast nebenbei Vermögen auf. Fang heute an: Rechne deinen Nettolohn aus, teile ihn in drei Töpfe und richte einen Dauerauftrag ein.

Weiterführende Quellen: aktuelle Prämien und Prämienverbilligung auf priminfo.admin.ch, Vorsorgeinformationen beim BSV, Steuerthemen bei der ESTV.

Stand: 2026. Dieser Beitrag ist keine Finanz- oder Steuerberatung, sondern dient der allgemeinen Information. Beträge und Richtwerte sind Beispiele und können je nach persönlicher Situation und Wohnkanton abweichen.


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Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Finanz- oder Anlageberatung.